Gauck verlangt, wir haben uns anzupassen

Gauck verlangt, wir haben uns anzupassen
30. Oktober 2016 Ralf Warnke

Gauck verlangt, wir haben uns anzupassen

Als ich die Rede von Herrn Gauck auf dem Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen vom 3. September 2016 gelesen habe, fiel mir ein Satz sofort auf „Es braucht Zeit, Flüchtlinge in eine Gesellschaft einzugliedern, und es braucht Zeit, Einheimische an eine sich verändernde Gesellschaft zu gewöhnen“. Und an anderer Stelle „[…] Deutschland als Ganzes wird sich verändern“.

Zunächst möchte ich dem Staatsoberhaupt danken. Erstmals hat ein Repräsentant dieser Republik zugegeben, dass, was wir schon immer geahnt, aber dennoch verleugnet haben, die Zeiten der „alten“ Bundesrepublik vorbei sind. Das Land, in dem wir groß geworden sind, es soll aufhören zu existieren so wie wir es kannten.

Lassen wir uns den Satz einmal analysieren. „[…] Einheimische an eine sich ändernde Gesellschaft gewöhnen“.

Einheimische sind laut Duden „[…] einem bestimmten Ort, Land, einer bestimmten Gegend stammend und dort lebend, ansässig, zum Beispiel, die einheimische Bevölkerung oder aus dem eigenen Land stammend […]“. Da wir davon ausgehen können, dass Herr Gauck der deutschen Sprache durchaus mächtig ist sowie auch seine Redenschreiber, sind mit Einheimische offensichtlich alle gemeint, die aus Deutschland stammen, hier geboren, aufgewachsen oder auch zugezogen sind, weil Sie unsere Weise zu Leben bevorzugen oder mögen.

An eine sich ändernde Gesellschaft gewöhnen. Gewöhnen ist eigentlich ein negativ besetztes Prädikat. Wir nutzen es überwiegend dann, wenn wir beispielsweise zum Ausdruck bringen wollen, schlechte Angewohnheiten nicht abgewöhnen zu können oder auch wenn wir uns an einen bestimmten Ort nicht gewöhnen können. Ein freundliches Prädikat ist gewöhnen im allgemeinen Sprachgebrauch nicht. Indem Herr Gauck gewöhnen gesagt hat, will er uns darauf einstimmen, dass wir unsere Gesellschaft nicht mehr nach unseren Vorstellungen gestalten dürfen, was er ja hätte sagen können, sondern eine von Wenigen uns aufgezwungene Änderung unserer Gesellschaft hinzunehmen haben. Aber warum müssen wir uns an etwas anderes gewöhnen. Wir sind immer noch in Deutschland, warum müssen die Zugereisten sich nicht an unsere Art und Weise zu leben und an unsere Gesellschaft gewöhnen?

Demokratie, die Herrschaft des Volkes, was ist das? Das Hat man wohl in Berlin vergessen, was das ist. Damit kommen wir zur Änderung der Gesellschaft. Steuererhöhungen in den Kommunen, sogenannte „no go areas“ in den Städten, rechtsfreier Räume für im letzten Jahr und aktuell Zugereiste, finanzielle Aufwendungen der Gebietskörperschaften für die Zugereisten von mehr als 100 Mrd. Euro bis zum Jahr 2020, Zweckentfremdung des von Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzierten Gesundheitsfonds, von deutschen Gerichten erlaubter Sex mit jungen Mädchen im Teenageralter, die verheiratet werden, Abschaffung der Vorweihnachtszeit in Kindertagesstätten usw. Neben diesen materiellen Änderungen wird das mentale Klima immer rauher. Beliebt und salonfähig ist mittlerweile die Beschimpfung von Wählern und Andersdenkenden, die nicht das gewählt haben, was sie hätten wählen sollen, nennen wir es mal „Linie“ und nicht einfach das heute journal und die Tagesschau als die ultimativen Quellen der Information betrachten. Herr Gabriel zeigt gern den Stinkefinger und bezeichnet mich als Pack. Herr Özdemir nennt mich Mischpoke, lieber Herr Özdemir, Goebbels hat die Juden immer gern als  Mischpoke  bezeichnet. Die Freiheit der Meinungsäußerung wird nach und nach abgeschafft. Wer anders denkt muss damit rechnen, von Herrn Maas und Frau Kahene überwacht und von linken Schlägertruppen gemaßregelt zu werden, um wieder auf „Linie“ zu kommen.

Mit Verlaub Herr Gauck, Sie haben sich darüber aufgeregt, dass Sie und Frau Merkel sowie andere Mitglieder der Bundesregierung als Volksverräter in Dresden am 3. Oktober 2016 beschimpft worden sind. Ich habe von Ihnen kein Statement gefunden, dass Sie sich darüber aufgeregt haben, dass Demonstranten und Wähler als Pack und Mischpoke bezeichnet werden. Wann haben Sie das letzte Mal Ihren Amtseid gelesen, „[…] des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden […]“. Der Amtseid hat keine rechtliche Bedeutung. Verletzungen des Eides können juristisch nicht verfolgt werden. Hätte er eine juristische Bedeutung, dann könnte man Sie verklagen. So bleibt dem Pack und der Mischpöke nur die Wahl. Aber, wie Brecht einmal sagte, „wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten“. Und wenn es die Change auf ein Änderung geben würde, ich traue diesem Staat mittlerweile zu, Wahlen zu fälschen, siehe u.a. Bremerhaven. Aber man kann auch mal in Österreich nachfragen.

RW | 30.10.2016

Bild: Quelle | Wolfgang Kumm/Archiv, dpa