in vino veritas. Vom Platzen ideologischer Blasen und Demaskierung der „Polit-Psychologie“

in vino veritas. Vom Platzen ideologischer Blasen und Demaskierung der „Polit-Psychologie“
8. Januar 2017 homopoliticus (Pseudonym)

in vino veritas. Vom Platzen ideologischer Blasen und Demaskierung der „Polit-Psychologie“

Eine Bemerkung vorab: Die Idee zu diesem Beitrag kam mir aufgrund eines Posts auf Facebook, den eine Person aus meiner Freundesliste mit direkter Ansprache an den Journalisten Roland Tichy und gleichzeitigem Bezug auf sein Magazin ‚Tichys Einblick‘ in die große weite Social-Media Welt entsandte.

In diesem Post wurde Roland Tichy – der auch Vorsitzender der Ludwig-Ehrhard-Stiftung ist – positiv mahnend daran erinnert „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie!“ (Zitat Ludwig Ehrhard).

Er (also Tichy) solle doch „einmal darüber nachdenken, was das Publizieren von kontinuierlich negativen Meldungen, bzw. den kontinuierlich negativen Interpretationen von Meldungen, bedeutet.“ Es wäre besser, „das Glas als halbvoll anstatt halbleer zu sehen“ – „derartige Beiträge würden nicht dafür sorgen, dass man positiv motiviert sei“ – so der Verfasser des Posts und so viel vorab.

Mir stellt sich aufgrund dieses Hinweises die (zugegeben rhetorische) Frage, welchem Credo eigentlich Qualitäts-Journalismus a la Tichys Einblick folgen soll (und sogar muss) und wie es um die Medien als „vierte Gewalt im Staat“ und „Korrektiv der Politik“ generell bestellt ist.

Das Politik sich lieber mit psychologisch intendierenden Botschaften an das (Wahl-) Volk wendet und Fakten – na sagen wir mal eine eher untergeordnete Rolle bei den meisten unserer Volksvertreter spielen – ist wohl seit spätestens 2015 offensichtlich. Hier ein „bunter“ Auszug „psychologischer Botschaften“ der Politik ans Volk – mit Bezug zu einem von der Politik selbst geschaffenen Problem:

Angela Merkel: „Wir schaffern das!“

Kathrin Göhring-Eckhardt: „Wir bekommen Menschen geschenkt!“

Peter Altmaier: „Die Bundesregierung hat maßgeblich zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen beigetragen.“ (Hinweis 1: Schließung der Balkanroute erfolgte durch die Visegrád-Staaten | Hinweis 2: Statement zeitlich kurz vor einer Landtagswahl)

Andrea Nahles: „Wir müssen die Fähigkeiten dieser Menschen nutzbar machen – für ihre, aber auch für unsere Zukunft.“ Die Deutschen sollten in den Flüchtlingen auch die Fachkräfte sehen, die wir immer dringender brauchen“.

Heiko Maas: „Die Milliarden für die Integration wurden in diesem Land erwirtschaftet und wurden niemandem weggenommen.“ (6. Oktober 2016 bei Maybit Illner)

Aydan Özoguz: „Wir haben endlich angefangen, uns als Einwanderungsland zu begreifen“.

Schön, oder? Alles Psychologie. Und die Liste ließe sich weiter und weiter fortsetzen.

Mittlerweile begreifen aber auch Politiker, dass Qualitäts-Journalismus (also deren ureigenster Aufgabe entsprechend handwerklich gut und kritisch recherchierende Medien) derartige „Polit-Psychologie“ demaskiert. Fakten lassen Politik-Sprech (wie oben) und ideologische Blasen einfach platzen.

Eine damit einhergehende, besser informierte Öffentlichkeit tut das Übrige. Schließlich handelt es sich dabei um „das Wahlvolk“ und spätestens hier korrigiert sich dann der „gemeine Volksvertreter“, denn es geht ja um seinen Job… Sie/Er will wiedergewählt werden.

Tendenzen, sich der Realität anzunähern, werden bei dem ein- oder anderen Politiker aufgrund der nicht mehr zu ignorierenden Faktenlage sichtbar.

Aber auch andere Möglichkeiten werden seitens der Politik in Betracht gezogen. So äußerte sich Volker Kauder, seines Zeichens Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion – in der Welt-Online vom 20. November 2016: „Wenn das Netz weiter lügt, ist mit Freiheit Schluss“. Kauder schreibt weiter, dass „Politik sich nicht veräppeln lässt“.

Da ist es doch gut, wenn man die Meinungsfreiheit bzw. die Möglichkeit, Dinge auch kritisch zu hinterfragen, zugunsten einer positiv motivierenden Psychologie beschneidet, oder?

Ähnliches ist auch dem Bundesinnenminister eingefallen, der eine große Zahl relevanter Medien (-Vertreter) für Anfang dieses Jahres zu einem Workshop eingeladen hat, wie man „besser“ (im Sinne positiver Psychologie?!) über Migration und den Islam berichtet. Die nächsten Workshops zur besseren Berichterstattung über weitere Themen werden dann wohl nicht lange auf sich warten lassen.

Mittlerweile lassen sich aber auch die Bürger nicht mehr veräppeln (um mit Herrn Kauder zu sprechen) und „Polit-Psychologie“ entfaltet offensichtlich nicht mehr die gewollte „motivierende“ Wirkung. Das ist gut so! Tichys Einblick sei hier stellvertretend – auch für weitere Medien – gedankt.

Es ist nicht die Aufgabe von Roland Tichy, Tichys Einblick, anderen Qualitäts-Medien, Blogs, etc. und ihr Handwerk noch ernst nehmenden Journalisten ein Glas als halbleer oder halbvoll zu beschreiben.

Um im Bild zu bleiben: Die Aufgabe lautet das Glas, dessen Inhalt und ggf. die Wirkung des Inhaltes analysierend und anhand von Fakten zu beschreiben. Vielleicht auch noch, wer daraus trinkt. Und vielleicht auch noch, ob der Inhalt als Folge des Konsums „einen Kater“ verursachen könnte. Journalismus soll zum Nachdenken motivieren – nicht in irgendeine Richtung motiviert manipulieren. Guter Journalismus ist wie guter Wein – in vino veritas (im Wein liegt die Wahrheit)!

In diesem Sinne und mit dem Bild des Glases, egal wie voll… Hauptsache es ist mit Wahrheit gefüllt.

hp | 08.01.17