Wie bitte? „Integration für Einheimische – Entspannt euch, Deutsche!“

Wie bitte? „Integration für Einheimische – Entspannt euch, Deutsche!“
28. Oktober 2016 homopoliticus (Pseudonym)

Wie bitte? „Integration für Einheimische – Entspannt euch, Deutsche!“

Diese Überschrift in der Süddeutschen Zeitung vom 27. Oktober 2016 muss man sich gedanklich einmal „auf der Zunge zergehen lassen“. Wieder wird nämlich ein mehr oder minder subtiler Versuch gestartet, den in diesem Lande lebenden Menschen – oder auch Einheimischen – klar zu machen, dass sie (also wir Deutsche) eigentlich als „un-entspannte Deutsche“ einer der wesentlichen Hemmnis-Faktoren für die mögliche Integration von Menschen aus aller Herren Länder (hier am Beispiel der Syrer) in eine „bunte Gesellschaft“ sind.

Moment mal: Eine Deutsche will den „un-entspannten“ Deutschen die Syrer erklären, damit diese (also die Syrer) sich besser integrieren können?

Genau hier liegt der erste Gedankenfehler, denn nicht die Deutschen müssen sich in Deutschland integrieren sondern die zu uns kommenden Syrer (oder all die anderen). Das sagt ja schon das Wort „Einheimische“ in der Überschrift, die an sich schon ein Paradoxon darstellt. Frau Helberg scheint als eine der unverbesserlichen „Multi-Kulti-Mantraträger_innen“ nach wie vor die Realität nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, dass viele Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund mittlerweile Deutsche sind und – selbst wenn sie noch keinen deutschen Pass besitzen – durch eigenen Integrationswillen in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen sind.

Der zweite Gedankenfehler von Frau Helberg ist, dass sie all diejenigen, die nach Deutschland kommen wollen, per sé scheinbar als integrationswillig ansieht – so suggeriert es zumindest der gewählte Buchtitel.

Es wäre spannend zu erfahren, wie Frau Helberg als Syrien-Expertin (jaja, so möchte sie eigentlich nicht genannt werden) den Einheimischen einmal erklärt, warum ein Großteil der Syrer keine Identitätsdokumente hat und warum wiederum ein Großteil der identitätslosen Syrer gar keine Syrer sind. Das trüge doch wirklich einmal zur „Entspannung“ bei – oder vielleicht doch nicht?

Ebenso wäre es „ent-spannend“ zu erfahren, warum sich die meisten sogenannten Asylsuchenden ausgerechnet Deutschland als Ziel aussuchen, obwohl in anderen sicheren Drittstaaten ebenfalls Schutz gewährt wird. Eines steht fest: Das deutsche Sozialsystem wird durch die ungesteuerte Zuwanderung von hunderttausenden, größtenteils unqualifizierten Menschen, nicht „ent-spannt“ – im Gegenteil! Kristin Helberg geht aber wohl mit einer ähnlichen Geisteshaltung wie der von Heiko Maas und anderen Politikern (Sinngemäß: Keinem wird etwas weggenommen, die Milliarden sind ja da!) die Sache an. Der deutsche Steuermichel wird’s schon „entspannt“ zahlen. Das ist dann wohl die finanzielle „Bringschuld der Deutschen“, um es mit den Worten der islamischen Religionslehrerin Lamya Kaddor auszudrücken.

Frau Kaddor nutzt bekanntermaßen bereits den polarisierten Zeitgeist, um ihre Bücher wie „Die Zerreißprobe – Wie die Angst vor Fremden unsere Demokratie bedroht“ über ihr bestehendes Mediennetzwerk zu vermarkten. Vielleicht ist der (Hinter-)Gedanke von Frau Helberg ähnlich: Derzeit läßt sich mit derartig wirren Büchern wahrscheinlich verhältnismäßig viel Geld verdienen. Nur: Ein gewisses Restrisiko besteht – vielleicht denkt die Mehrheit der „entspannten“ Menschen in unserem Land schon beim Lesen des Buchtitels „noch ein Buch, das keiner braucht!“

 

hp | 28.10.2016